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Schiedsrichter Markus Merk hofft auf´s Halbfinale

Der letzte deutsche Mohikaner

Brüssel - Die Elitekicker haben sich frühzeitig verabschiedet, nur Markus Merk vertritt bei der Euro 2000 noch die deutschen Farben. Das EM-Debakel der Nationalelf beschert dem Bundesliga-Schiedsrichter die seltene Ehre, in der entscheidenden Phase eines großen Turniers noch einmal an die Pfeife zu dürfen.

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Die Kicker tanzen nach seiner
Pfeife: Schiri Markus Merk.

"Bisher war die Nationalmannschaft immer lange dabei, deshalb ist es schon ewig her, dass ein deutscher Unparteiischer in der Endphase eingreifen konnte", erklärt der 38-Jährige, der aller Voraussicht nach ein EM-Halbfinale leiten wird.

Zuletzt pfiff 1972 Rudi Glöckner

Genau 28 Jahre ist es her, dass ein deutscher Referee zuletzt in der Runde der letzten Vier eingesetzt wurde: Bei der EM 1972 - übrigens ebenfalls in Belgien - pfiff Rudi Glöckner (Leipzig) das Halbfinale zwischen der damligen Sowjetunion und Ungarn (1:0). Zwei Jahre zuvor hatte der DDR-Schiedsrichter aus Leipzig das Endspiel der Weltmeisterschaft in Mexiko zwischen Brasilien und Italien (4:1) geleitet.

"Erfolg, den ich mir erarbeitet habe"

"Natürlich hängt meine positive Euro-Bilanz mit dem schlechten Abschneiden der deutschen Mannschaft zusammen", gesteht Merk, der bereits das Eröffnungspiel der Belgier gegen Schweden (2:1) und die Partie Spanien gegen Slowenien (2:1) leitete. Bei WM-Turnieren ist ab dem Viertelfinale Schluss für Schiedsrichter, deren Teams noch beteiligt sind, bei der Euro ab dem Halbfinale. "Aber es ist auch ein Erfolg, den ich mir über insgesamt 26 Jahre als Schiedsrichter erarbeitet habe."

"Die EM ist mein Jahresurlaub"

Spätestens seit seinem ersten Bundesliga-Einsatz 1988 ist die Arbeit mit der Pfeife quasi der zweite Beruf des Zahnarztes aus Kaiserslautern. "Die EM ist mein Jahresurlaub", sagt Merk, der neun Jahre lang allein praktizierte, ehe er im Mai mit einer Kollegin eine Gemeinschaftspraxis eröffnete. Gut drei Wochen lang ist der Hobby-Triathlet mit seinen Schiedsrichter-Kollegen im noblen Sodehotel vor den Toren Brüssels einquartiert. Der Urlaub in der Sonne fällt in diesem Jahr aus, gleich nach Turnierende greift Dr. Merk wieder zum Bohrer. "Am Montag nach dem Finale habe ich um sieben Uhr den ersten Patienten."

Kein Probleme mit der Doppelbelastung

Auch bei Bundesliga- und Europacup-Einsätzen versucht der Dentist, möglichst wenige Stunden am Arbeitsplatz zu fehlen. "Nur am Spieltag bin ich nicht in der Praxis". Selbst nach einem Champions-League-Spiel in Barcelona behandelt Merk tags darauf seine Patienten. Bislang hat der 38-Jährige keine Probleme "mit dem Doppelpass Schiedsrichter und Beruf. Aber ich merke doch manchmal, dass es schwieriger wird". Einen Großteil der geringen Freizeit opfert Merk zudem für ein Kinderdorf in Indien, dass er zusammen mit seiner Frau Birgit aufgebaut hat.

Von Thomas Lipinski, sid - Foto: dpa

Geändert am 23. Juni 2000 14:21 von sab
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