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Kampfhund- Drama geht weiter
Nach tödlicher Hundeattacke: Ruf nach schärferen Gesetzen
Tierschutzbund: Zivilcourage statt Lynchjustiz
Verhaltensforscherin: "Kampfhunde sind nicht erziehbar"
Unübersichtliche Regelvielfalt in Ländern und Kommunen
Zwei Kampfhunde töten Jungen (von Montag)
Stichwort: Kampfhunde
Unfälle mit Kampfhunden

Nach tödlicher Hundeattacke auf Kind:

Politiker fordern schärfere Gesetze

Hamburg/Berlin - Einen Tag nach der tödlichen Kampfhundeattacke von Hamburg wird der Ruf nach schärferen Gesetzen immer lauter. Die Forderungen reichten von Maulkorbzwang über Hundeführerscheine bis hin zu Zucht-, Handels- und Haltungsverboten.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) will das Thema Kampfhunde am Mittwoch im Kabinett ansprechen. "Diese Kampfmaschinen müssen von der Straße", betontete der Kanzler am Dienstag in Berlin.Wenn die Länder in diesem Punkt zu keiner Einigung kommen, müsse der Bund sehen, was beispielsweise auf der Ebene des Strafrechts getan werden kann.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) forderte seine Länderkollegen auf, endlich zu handeln. Schily bekräftigte seine Forderung nach einem generellen Verbot von Kampfhunden. Leinenzwang oder Auflagen an die Hundehalter reichten nicht aus, sagt er in Berlin. Auch Bundesjustizministerin Hertha Däubler-Gmelin (SPD) appellierte an die Länder, schnell Gesetze zum Schutz vor Kampfhundeattacken mit klaren Kompetenzzuweisungen zu erlassen. Wenn diese allerdings nicht zu Stande kämen, sollte der Bund das übernehmen - "und zwar ganz schnell", sagte sie im Deutschlandfunk. Auch Bundespräsident Johannes Rau forderte im Nachrichtensender N24 schärfere Gesetze.

"Verbot von Zucht, Handel und Ausbildung"

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers verlangte gleich eine gesetzliche Regelung auf Bundesebene, in dem "das Verbot von Zucht, Handel und Ausbildung" sowie eine Kastration oder Sterilisation von Kampfhunden festgeschrieben werden solle. Der Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes, Walter Wilken, warf dem Staat Untätigkeit vor. Für das Halten von gefährlichen Hunden müssten ähnlich strenge Anforderungen gelten wie für einen Waffenschein. Ein schärferes Vorgehen gegen unverantwortliche Halter forderte der Deutsche Elternverein (DEV).

Zahlreiche Länderminister kündigten schärfere Gesetze gegen Kampfhunde an. Rheinland-Pfalz wolle am 11. Juli eine "deutlich verschärfte Gefahrenabwehrverordnung" verabschieden, in der auch das "strikte Verbot einzelner Rassen" sowie ein Kreuzungsverbot verankert werde, sagte Innenminister Walter Zuber (SPD). Außerdem müssen die Hunde kastriert beziehungsweise sterilisiert werden. Auch Berlin, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern kündigten noch für den Sommer verschärfte Hundehalterverordnungen an.

Auch Tierschutzbund für Zuchtverbot

Die Innenministerien von Thüringen und Brandenburg sehen die geltenden Regelungen in ihren Ländern als ausreichend an. Die brandenburgischen Landtagsparteien CDU, SPD und PDS forderten hingegen eine drastische Verschärfung der Gesetze, dazu gehörten auch ein Einfuhr- und Zuchtverbot für Kampfhunde.

Der Deutsche Tierschutzbund sprach sich ebenfalls für ein Gesetz zum Verbot von Zucht, Handel und Einfuhr von Kampfhunden aus. Das sei die einzige Möglichkeit, auf die jetzige Situation zu reagieren, sagte Tierschutzbundvorsitzender Wolfgang Apel in einem Gespräch mit NDR 1 Radio Niedersachsen. Es müsse aber auch eine Regelung für unauffällige Tiere der betroffenen Rassen gefunden werden.

Gegen Radikallösungen

Die Polizeigewerkschaften plädierten für ein generelles Verbot der Haltung und der Zucht von Kampfhunden. "Meldeauflagen, Leinenzwang oder erhöhte Hundesteuern sind völlig untaugliche Mittel", sagte der NRW-Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft im Deutschen Beamtenbund (DPolG), Rainer Wendt. Bei einem umfassenden Verbot müsste nicht mehr die Spreu vom Weizen getrennt werden, meinte auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Norbert Spinrath. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Fritz Behrens (SPD), sprach sich gegen Radikallösungen aus - es sei falsch, alle Kampfhunde sofort zu töten oder einzusperren.

Halter dem Haftrichter vorgeführt

In Hamburg-Wilhelmsburg hatten am Montag zwei Kampfhunde einen sechjährigen türkischen Jungen totgebissen. Der 23 Jahre alte Halter des einen Hundes wird Totschlag vorgeworfen. Er wurde dem Haftrichter vorgeführt. Gegen die 19-jährige Halterin des anderen Kampfhundes wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Die beiden Tiere waren bereits nach Polizeiangaben mehrmals wegen Angriffen auf andere Hunde aufgefallen. Am Montagabend waren sie nach Aussagen des 23-Jährigen beim Ausführen über eine Mauer auf das Schulgelände gesprungen und hatten den sechsjährigen Volkan angegriffen. Der Mann habe versucht, die Hunde von dem Jungen loszureißen, wobei er selbst an den Händen verletzt wurde.

dpa

Geändert am 27. Juni 2000 12:01 von aj
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