|
|
Bundeskartellamt vermutet PreisdumpingNeuer Preiskrieg im EinzelhandelVorermittlungen gegen Aldi, Lidl, Norma, Plus und Wal-MartBonn - Im deutschen Einzelhandel ist ein neuer Preiskrieg ausgebrochen. Nach einer Preisoffensive der US-Handelskette Wal-Mart senkten in den vergangenen Tagen auch Deutschlands Discount-Marktführer Aldi und sein Konkurrent Lidl die Preise für zahlreiche Produkte. "Es herrscht ein erbarmungsloser Preiskrieg", urteilte der Hauptgeschaftsführers des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels, Gerd Härig, am Dienstag.
Das Bundeskartellamt nahm Vorermittlungen gegen Wal-Mart und die Discounter Aldi, Lidl, Plus und Norma wegen des Verdachts des Preisdumpings auf. Ausgelöst worden war der Preiskampf anfang des Monats, als Wal-Mart in Deutschland eine neue Serie von 80 Billigprodukten unter dem Namen "Smartprice" auf den Markt brachte und damit die Aldi-Preise unterbot. Der deutsche Marktführer setzte nach kurzem Zögern ebenfalls den Rotstift an. Auch andere Discounter zogen nach. Branchenexperten sind überzeugt, dass in einigen Fällen die Verkaufspreise bereits unter den Einstandspreisen des Handels liegen. Warnung vor PleitewelleBranchensprecher wie Härig oder der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels Hubertus Pellengahr warnten deshalb vor einer drohenden Pleitewelle im Lebensmittelhandel. Nicht nur mittelständische Unternehmen seien bedroht, auch die Top Ten der Branche kämen langsam ins Schlingern. Das beweise der Fall Tengelmann. Die Einzelhandelskette kündigte am Jahresanfang die Schließung von 300 unrentablen Filialen an. Verkauf unter Einstandspreis?Das Bundeskartellamt leitete unterdessen Vorermittlungen gegen Wal-Mart, Aldi, Lidl, Norma und Plus wegen des Verdachts des Verkaufes unter dem Einstandspreis ein, wie Behördensprecher Stefan Siebert mitteilte. Wann mit einer Entscheidung der Wettbewerbshüter im jüngsten Preiskrieg zu rechnen sei, konnte der Sprecher allerdings nicht sagen. Das Bundeskartellamt wolle klare Regeln gegen Dumping-Preise im Handel vorlegen. In einem Katalog soll festgelegt werden, was genau unter dem Einstandspreis zu verstehen ist. Dieser Katalog mit Auslegungsgrundsätzen werde derzeit vorbereitet. Wal-Mart wies unterdessen die Vorwürfe der Konkurrenten zurück. Das seit nunmehr zweieinhalb Jahren in Deutschland aktive Unternehmen habe wie in der Branche üblich Eigenmarken eingeführt, sagte Sprecherin Susanne Müller (Wuppertal). Ziel sei, "das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in Deutschland" anzubieten. Der deutsche Marktführer im Niedrig-Preis-Bereich, Aldi, gab am Dienstag keine Stellungnahme ab. Rewe und Real warten abDer Kölner Rewe-Konzern erwartet ein schnelles Eingreifen der staatlichen Behörden in die neue Preiskampfrunde des Einzelhandels. "Durch den gesetzeswidrigen Verkauf einer großen Zahl von Produkten unter deren Einstandspreis wird derzeit von einigen Wettbewerbern offenbar ein Vernichtungsfeldzug eingeleitet", sagte ein Rewe- Sprecher am Dienstag. Rewe werde sich an einem solchen fortlaufenden Verstoß gegen geltendes Recht vorerst nicht beteiligen. Auch die führende deutsche SB-Warenhaus-Gruppe Real will die neue Preisoffensive ihrer Konkurrenten Aldi und Wal-Mart zunächst abwarten. "Wir beobachten die Situation mit Sorge", sagte Pressesprecherin Simone Meyer am Dienstag. Real habe kein Interesse daran, den Wettbewerb zu verschärfen und ziehe deshalb jetzt keine Preissenkungspläne aus der Schublade. Die Metro-Tochter Real hat über 260 SB-Warenhäuser bundesweit. AP, dpa - Foto: AP
|
|||
| Geändert am 27. Juni 2000 15:16 von aj | ||||