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"Rache" für Festnahmen

Wieder ETA-Mord in Spanien

Kommunalpolitiker erschossen

Barcelona - Die Welle der Terroranschläge in Spanien reißt auch nach der Festnahme wichtiger Anführer der baskischen Separatistenorganisation ETA nicht ab. Am Donnerstag erschossen mutmaßliche ETA-Terroristen bei Barcelona den konservativen Kommunalpolitiker Jose Luis Ruiz Casado, Mitglied der in Spanien regierenden Volkspartei (PP).

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Vor seiner Wohnung wurde dem Opfer aufgelauert: Am Donnerstag wurde Jose Luis Ruiz Casado von der ETA ermordet

Zwei Männer hatten dem 42-jährigen Stadtrat vor seiner Wohnung in Sant Adria del Besos aufgelauert. Sie schossen dem Politiker in den Nacken und feuerten dem auf dem Boden liegenden Opfer eine zweite Kugel in den Kopf. Nach Angaben der Polizei war bereits der erste Schuss tödlich gewesen. Die Terroristen entkamen mit einem Auto.

Kein Zweifel an ETA-Verantwortlichkeit

Das Attentat dürfte im Zusammenhang mit der Festnahme von 17 mutmaßlichen ETA-Aktivisten vor knapp einer Woche gewesen sein. Die ETA wollte offenbar beweisen, dass sie weiterhin zu Anschlägen in der Lage ist. Ende voriger Woche hatte die französische Polizei unter anderem die angebliche "Nummer eins" der ETA, Ignacio Gracia Arregui, verhaftet und Bombenwerkstätten und Sprengstoffdepots der Organisation ausgehoben.

Nun verübte die ETA in einer Region einen Abschlag, die in letzter Zeit vom Terror weitgehend verschont geblieben war. In Katalonien hatte die Terrorgruppe zuletzt vor sechs Jahren ein tödliches Attentat verübt. Das Attentat auf den Stadtrat fiel zusammen mit einem Besuch des spanischen Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar in der katalanischen Regionalhauptstadt Barcelona. Nach Angaben der Behörden bestand kein Zweifel, dass die ETA für den Mord verantwortlich war. Ruiz Casado, Vater von zwei Kindern, wurde das 13. Opfer der ETA, seit die Organisation Ende vorigen Jahres ihre "Waffenruhe" aufkündigte.

Spontane Protestaktion

Tausende von Menschen kamen in ganz Spanien spontan zu Protestkundgebungen gegen den Terror zusammen. König Juan Carlos rief die demokratischen Parteien auf, sich im Kampf gegen den Terror noch enger zusammenzuschließen. Aznar appellierte an die Bürger, in ihrem Engagement gegen die Gewalt nicht nachzulassen. Der sozialistische Oppositionsführer Jose Luis Rodriguez Zapatero verlangte, die Europäische Union sollte sich stärker im Kampf gegen den Terror im Baskenland engagieren.

In Sant Adria del Besos hängten viele Bewohner in einer spontanen Protestaktion weiße Laken mit Trauerflor aus den Fenstern. Der Ort gehört zum "Arbeitergürtel", der sich in den letzten Jahrzehnten rings um Barcelona gebildet hatte. Viele der 33 000 Bewohner sind Zuwanderer aus dem Süden Spaniens. Die autonome Regierung von Katalonien ordnete für zwei Tage eine offizielle Trauer an.

Euphorie war verfrüht

Der spanische Regierungssprecher Pio Cabanillas sagte, die Euphorie nach den Festnahmen am vorigen Wochenende sei verfrüht gewesen. "Der Terror ist noch nicht vorbei. Die Mörder laufen noch frei herum und haben keine Skrupel." Ein Sieg im Kampf gegen den Terror sei aber nur eine Frage der Zeit. Die großen Gewerkschaften verurteilten das Attentat als einen "Akt des Faschismus".

dpa - Foto: dpa

Geändert am 21. September 2000 19:42 von mwege
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