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Raketen-Angriff auf Britische Geheimdienst-Zentrale MI6Angst vor neuem Terror
London - Nach einem Angriff mit einem Raketenwerfer auf die Zentrale des britischen Spionagedienstes MI6 in London ist die Furcht vor einer neuen Terrorwelle abtrünniger nordirischer Extremisten gewachsen. Wie Scotland Yard am Donnerstagabend mitteilte, wurde in einem Park in der Nähe des Anschlagsortes ein Teile eines Raketenwerfers gefunden. Das Gebäude war am Mittwochabend von zwei schweren Explosionen erschüttert worden. Der stellvertretende Chef von Scotland Yard und Leiter der Anti-Terror-Abteilung, Alan Fry, sagte, die Polizei sei hinsichtlich der möglichen Täterschaft "offen". Er ließ jedoch erkennen, dass für ihn abtrünnige Extremisten der nordirischen Republikaner zu den Hauptverdächtigen gehören. "Die Art Waffe, die unserer Ansicht nach bei diesem Angriff benutzt wurde, befindet sich bekanntlich in Händen bestimmter Gruppen. An diese denken wir zunächst", sagte er. Die "kleine Rakete" sei aus einer Entfernung von 200 bis 500 Meter abgefeuert worden und habe den achten Stock des Gebäudes im Londoner Stadtteil Vauxhall südlich der Themse getroffen. Ohne die von Sicherheitsexperten vor allem genannte "Wirkliche IRA" (Real IRA) zu erwähnen, sagte Fry: "Wir haben solche Waffen im Norden und Süden Irlands gefunden und eine ähnliche Vorrichtung mag hier verwendet worden sein." Derartige Vorrichtungen seien in Russland oder dem früheren Jugoslawien erhältlich. Experten vermuten, dass es sich um einen Raketenwerfer vom Typ RPG7 handelt. Der stellvertretende Chef von Scotland Yard, Alan Fry, sprach Stunden nach dem Anschlag von einer "kleinen Rakete", die am Mittwoch kurz vor 22.00 Uhr Ortszeit in den achten Stock des Gebäudes im Londoner Stadtteil Vauxhall südlich der Themse eingeschlagen habe. Menschen wurden dabei nicht verletzt.
Bei der Suche nach den Tätern verfolge die Polizei alle Spuren, sagte Fry, der auch Leiter der Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard ist. "Natürlich haben wir die Fähigkeiten republikanischer Splittergruppen Nordirlands im Hinterkopf, aber derzeit schließen wir niemanden aus, der den Geheimdienst als sein Ziel betrachten könnte." Zwei schwere Explosionen im achten Stock"Eine Untersuchung der Außenwand hat ergeben, dass eine Art kleiner Rakete das Äußere des Gebäudes in Höhe des achten Stockwerks getroffen hat", sagte Fry. Die kleine Rakete richtete geringfügigen Schaden an und die Arbeit des Geheimdienstes wurde dadurch nicht behindert." Einen Mörserangriff schloss Fry aus: Dieser hätte stärkeren Schaden verursacht. Mehrere Augenzeugen berichteten Reportern von zwei dicht aufeinander folgenden schweren Detonationen. Sridharan Balakrishnan (23), Angestellter einer Tankstelle neben dem Geheimdienstgebäude, sagte: "Es war sehr laut und tat meinen Ohren weh. Dann sah ich Rauch aus dem Gebäude kommen." Ein anderer Augenzeuge, der den Vorfall aus größerer Entfernung beobachtete, sagte: "Ich sah einen Blitz im obersten Stockwerk des Gebäudes. Dann knallte es und die Erde bebte." Auch andere Zeugen sprachen von zwei schweren Explosionen. London: echte Bedrohung durch Terroristen"Es gibt in London eine echte Bedrohung durch den Terrorismus - und zwar, wie wir gesehen haben, gegen eine Reihe von Zielen", sagte Fry. Im Juni war eine wichtige Autobahnbrücke Londons nach Entdeckung einer Bombe stundenlang gesperrt worden und hatte für eine Verkehrschaos in großen Teilen der Stadt gesorgt, im Juli hatte sich die "Wirkliche IRA" (Real IRA) zu einer im Stadtteil Ealing gefundenen Bombe bekannt. Scotland Yard war einem Bericht des britischen Fernsehens BBC im Sommer vor neuen Anschlägen von republikanischen Splittergruppen, die den Friedensprozess ablehnen, gewarnt worden.
Fast wie bei James BondBei der Zentrale des Auslands-Geheimdienstes MI6 handelt es sich um ein in Sichtweite von Big Ben und Westminster-Abtei direkt an der Themse gelegenes markantes modernes Gebäude, das durch den James- Bond-Film "Die Welt ist nicht genug" auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden ist: In dem Film wird ein Teil des Gebäudes durch die eingeschmuggelte Bombe eines Terroristen in die Luft gejagt. Ein Sprecher des Außenministeriums, das für die Arbeit von MI6 zuständig ist, hatte noch in der Nacht eine "umfassende polizeiliche Untersuchung" angekündigt und mitgeteilt, Außenminister Robin Cook werde ständig über die Entwicklung informiert. Cook sei "erleichtert darüber, dass es keine Verletzten gegeben hat." Tunnelzug Eurostar kann nicht rollenFry sagte, die Spurensicherungsarbeiten der Polizei würden an diesem Donnerstag zu erheblichen Verkehrsbehinderungen in London führen, da zahlreiche wichtige Straßen gesperrt blieben. Wegen einer an dem Gebäude vorbeiführenden Bahnstrecke könne auch der Eurostar- Zug durch den Kanaltunnel nicht verkehren. dpa
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| Geändert am 21. September 2000 09:01 von to | ||||||||||||