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Medaillentraum der Handballer geplatzt - 26:27 gegen Spanien

Sechs Sekunden fehlten zum Edelmetall

Sydney - Der Medaillentraum der deutschen Handball- Nationalmannschaft ist beim olympischen Turnier in Sydney im Viertelfinale jäh zerstört worden. Sechs Sekunden fehlte dem Team von Heiner Brand, um nach dem Silber von 1984 in Los Angeles dem größten Handball-Verband der Welt erstmals wieder olympisches Edelmetall zu bescheren.

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Fassungslos: Trainer Heiner Brand.

Als der Magdeburger Stefan Kretzschmar den Ball an die Latte statt ins Tor warf und im Gegenzug der überragende spanische Linksaußen Guijosa mit seinem neunten Treffer das Spiel der überschäumenden Emotionen zum 27:26 (11:13) für den Bronzemedaillengewinner von Atlanta beendete, standen selbst die spanische Königin Sofia und Prinzessin Cristina auf den Stühlen.

Totales Entsetzen

6.000 Zuschauer applaudierten im ausverkauften Pavillon zwei dem überglücklichen Gewinner aber auch den Pechvögeln, die die letzten zwei Minuten sogar noch in Überzahl gespielt hatten. Die DHB- Auswahl erstarrte nach dem K.o.-Schlag fast vor Entsetzen. Frank von Behren und Christian Schwarzer waren total enttäuscht. Der frühere Welthandballer Daniel Stephan, der wegen einer Verletzung zuschauen musste, saß tröstend daneben. Statt um eine Medaille im Halbfinale zu kämpfen, muss die DHB-Auswahl am Freitag (11.30 Uhr) in der Platzierungsrunde um die Ränge fünf bis acht gegen den Verlierer aus dem Viertelfinale zwischen Schweden und Ägypten spielen. Angstgegner Spanien, der der DHB-Auswahl schon in Atlanta 1996 und 1992 in Barcelona den Weg mit zwei Niederlagen auf das Sieger-Treppchen verstellte, war im entscheidenden Moment aufmerksamer gewesen.

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"Tor wurde immer kleiner"

Bundestrainer Heiner Brand fand erst in der Pressekonferenz die Fassung wieder: "Wir haben die Big Points nicht gemacht. Zum Schluss wurde das Tor der Spanier immer kleiner. Aber wir haben uns mit zwei Nachlässigkeiten in der Abwehr zum Schluss das Spiel selber kaputt gemacht." Spaniens Coach Roman Seco hatte das "glücklichere Ende" für sich und sein Team gesehen: "Wir hatten die Niederlage schon vor Augen."

Furiose Aufholjagd

Nach dem geglückten Start lag die DHB-Auswahl durch eine hohe Fehlwurf-Zahl und mit mehr als sechs Fangfehlern plötzlich 6:10 (22.) hinten. Doch mit einer furiosen Aufholjagd schoss sich das Team bis zur 13:11-Halbzeitführung wieder nach vorn. Acht ganz starke Minuten und die Topleistung von Torwart Jan Holpert, der zwölf Glanzparaden zeigte und einen Siebenmeter hielt, machten die kurze Wende möglich.

Keine Vorwürfe an Kretzschmar

Doch die Spanier konterten und zogen sich innerhalb von acht Minuten vom 16:19 (41.) bis zum 22:19 (48.) quasi an den eigenen Haaren wieder aus der Problemzone. Mit dem sechsten Tor von Kretzschmar zum 25:25 und dem 26:25 durch Roos (58.) hatte die Mannschaft den Sieg vor Augen. Aber dann war die Latte des spanischen Tors war Kretzschmar in Weg. "Kretzsche musste schießen. Wir machen ihm keine Vorwürfe", sagte Teamkapitän Klaus-Dieter Petersen. "Wenn zwölf Kerle in der Kabine sitzen und heulen, weiß ich nicht, ob wir noch in der Lage sind ein gutes Spiel hier abzuliefern. Wir sind Profis, aber keine Maschinen."

Von Rainer Fülscher, dpa

Geändert am 26. September 2000 10:57 von sab
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