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Alternative Nobelpreise an Forscher und Anwalt

Jenseits der "Wachstumsfantasien"

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Birsel Lemke

Stockholm - Vier Umweltschützer und Menschenrechtler aus Äthiopien, Indonesien, der Türkei und den USA haben am Donnertag in Stockholm die "Alternativen Nobelpreise" für das Jahr 2000 zuerkannt bekommen.

Die insgesamt mit zwei Millionen Kronen (460.000 Mark) dotierte Auszeichnung teilen sich die türkische Umweltschützerin Birsel Lemke, der äthiopischen Wissenschaftler Tewolde Gebre Egzhiaber, der indonesische Anwalt und Menschenrechtler Munir sowie der US-Pflanzengenetiker Wes Jackson. Der deutsch-schwedische Stifter der Alternativen Nobelpreise, Jakob von Uexküll, meinte zu den Entscheidungen der Jury: "Alle vier Preisträger zeigen, dass es andere Lösungen für die großen Menschheitsprobleme gibt als Wachstumsfantasien und Gewalt."

Uexküll hatte die Preise "Für richtiges Leben" und die dazu gehörende Stiftung "Right Livelihood Award" 1980 mit Erlösen aus dem Verkauf seiner Briefmarkensammlung ins Leben gerufen. Die 1950 geborene Birsel Lemke erhielt einen Alternativen Nobelpreis für ihren ""anhaltenden Einsatz zum Schutz der Türkei vor Zerstörungen durch Goldgewinnung mit Zynaid". Lemke, die von 1975 bis 1985 in Deutschland lebte und mit einem Deutschen verheiratet ist, hatte 1990 die Initiative "HAYIR" (Nein) gegründet, um türkische Pläne zur Eröffnung von Goldgruben zu verhindern, in denen Zyanid eingesetzt werden sollte. Diese im Westen längst verpönte Methode habe zuletzt im Januar in Rumänien zu einer Umweltkatastrophe durch Vergiftung der Donau geführt, hieß es in der Begründung für die Preisvergabe.

Giftige Goldgruben verhindert

Lemke gewann unter anderem die Unterstützung betroffener türkischer Bürgermeister, indem sie mit ihnen nach Deutschland reiste, der Gruppe den Rhein als Beispiel einer intakten Biosphäre vorführte und sich politische Unterstützung im Landtag von Hessen sicherte. Auch habe sie den Rückzug der Dresdner Bank aus Kreditplänen für die Grubenpläne erreicht.

"Kampf gegen Staatsterrorismus"

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Wes Jackson 

Als "Schlüsselfigur im Kampf gegen Staatsterrorismus" in Indonesien hob von Uexküll den Anwalt Munir (35) hervor, der schon als Jurastudent Anfang der neunziger Jahren Opfer von staatlichen Gewaltakten verteidigt hatte. In einer ersten Reaktion äußerte sich hoch erfreut über die Auszeichnung: "Ich bin so glücklich. Ich denke, dies ist ein Beispiel, wie die internationale Gemeinschaft unsere Arbeit in Indonesien unterstützen kann", sagte der Vorsitzende der "Kommission über Vermisste und Gewaltopfer" der dpa. Munir wirkte bei der Gründung der unabhängigen Kommission vor drei Jahren mit. Er war auch Mitglied der staatlichen Kommission zur Untersuchung von Gräueltaten in Ost-Timor durch pro-indonesische Milizen und das indonesische Militär nach dem Unabhängigkeits-Referendum 1999.

Erhaltung der Artenvielfalt

Der Äthiopier Tewolde Gebre Egziabher (60) erhielt eine Auszeichnung für seine "beispielhafte Arbeit" als Verhandlungsführer von Ländern der Dritten Welt bei den Umweltkonferenzen zur Artenvielfalt 1999 in Cartagena (Kolumbien) und Anfang des Jahres in Montreal. Hier habe er trotz "kleinlicher, persönlicher Drangsalierung" durch EU-Länder und die USA hervorragende Verhandlungsergebnisse zur Erhaltung der Artenvielfalt erreicht. Damit sei dem freien Handel mit genmanipulierten Pflanzen Grenzen gesetzt worden, erklärte von Uexküll.

Ökologische Landwirtschaft

Der US-Gen- und Agrarwissenschaftler Wes Jackson wurde zusammen mit dem von ihm geleiteten "Land Institute" in Kansas für erfolgreiche Forschungsarbeiten zu ökologischer Landwirtschaft mit der Entwicklung von mehrjährigem Saatgut ausgezeichnet. Letzter deutscher Preisträger eines Alternativen Nobelpreises war 1999 der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer für seinen Einsatz zur Anwendung von Solarenergie.

dpa

Geändert am 5. Oktober 2000 14:01 von aj
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