|
|
Nobel-Komitee würdigt Erforschung der Parkinson-Krankheit"Krankheit der Alten" trifft immer mehr JungeProminente Patienten: Muhammad Ali und Michael FoxErkrankungen des Nervensystems gehören zu den Leiden, die in den Industriegesellschaften immer mehr Menschen treffen - nicht zuletzt wegen der zunehmenden Lebenserwartung. Mit der Vergabe des diesjährigen Medizin-Nobelpreises an den Schweden Arvid Carlsson zeichnete das Komitee in Stockholm am Montag einen Pionier bei der Erforschung der häufigsten neurologischen Erkrankung - der Parkinson-Krankheit - aus.
Der heute 77 Jahre alte Carlsson entdeckte in den fünfziger Jahren Dopamin als Signalsubstanz im Hirn, die eine große Bedeutung bei der Bewegungskontrolle spielt. Seine Forschungsergebnisse führten zu der Erkenntnis, dass die Parkinson-Krankheit durch Dopaminmangel in bestimmten Teilen des Hirns verursacht wird, und dazu, dass ein "effektives Arzneimittel" (L-dopa) gegen diese Krankheit entwickelt werden konnte, wie das Komitee erklärte. In Deutschland 250.000In Deutschland leiden rund 250.000 Menschen an der Parkinson-Krankheit. Die genaue Ursache der Erkrankung ist auch gut vier Jahrzehnte nach Carlssons bahnbrechenden Entdeckungen noch nicht endgültig geklärt. Auch eine völlige Heilung gibt es nicht. Typisch für das Leiden ist ein unkontrollierbares Zittern, das durch einen Mangel des Überträgerstoffs Dopamin im Gehirn entsteht. Schuld daran ist das Absterben der Nervenzellen in der schwarzen Substanz des Gehirns, die Dopamin produzieren. Mit Medikamenten lässt sich dieser Mangel behandeln - aber nur über einen begrenzten Zeitraum hinweg. Die Krankheit wurde nach dem 1824 gestorbenen britischen Arzt James Parkinson benannt. Sie gilt eigentlich als klassische Alterskrankheit, doch sind mittlerweile zehn Prozent der Erkrankten jünger als 40, wie etwa der 39 Jahre alte amerikanische Schauspieler Michael J. Fox. Vor einem Monat erklärte der jungenhaft wirkende Schauspieler ("Zurück in die Zukunft") bei der "Emmy"-Verleihung wegen seines Leidens seinen Abschied von der Bühne. Er will sich nun auf seine Stiftung zur Erforschung der Parkinson-Krankheit konzentrieren. Weiterer prominenter Parkinson-Patient ist der frühere Box-Weltmeister Muhammad Ali. Auch Papst Johannes Paul II. soll an Parkinson leiden. "Schlechte" Angewohnheiten mit positiver NebenwirkungParkinson gehört zusammen mit der verwandten Alzheimer-Krankheit zu den degenerative Nervenleiden - ein Feld, in dem in der Medizin intensiv geforscht wird. In jüngster Zeit versucht die Parkinson-Forschung in Deutschland beispielsweise, durch eine so genannte Hirnstimulation die Überaktivität von Nervenzellen und damit das Zittern der Patienten zu blockieren. Professor Hans-Joachim Freund von der Universitätsklinik Düsseldorf wurde kürzlich für die Entwicklung einer neuen Methode ausgezeichnet, bei der den Patienten eine Elektrode, eine Art "Hirnschrittmacher", implantiert wird. Diese unterbindet durch elektrische Reize die krankhafte Überaktivität von Nervenzellgruppen in den Basalganglien des Mittel- und Zwischenhirns. Dadurch werden die Bewegungsstörungen der Patienten unterbunden. Die Erfolgsrate der Behandlung liegt nach Angaben Freunds bei 85 bis 90 Prozent. Parkinson ist zugleich eine der rätselhaftesten Erkrankungen. So haben Wissenschaftler festgestellt, dass bei Menschen mit "schlechten" Angewohnheiten wie Rauchen, Alkohol trinken und hohen Kaffeekonsum die Parkinson-Rate besonders niedrig ist. Das Gleiche gilt offenbar auch für Menschen, die Nervenkitzel und Aufregung lieben. Was diese positiven Effekte genau auslöst, ist noch unklar. Hier tut sich ein breites Forschungsfeld für künftige Nobelpreisträger auf. AP - Archivfoto: AP
|
||||||
| Geändert am 9. Oktober 2000 16:07 von aj | |||||||