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Harsche Kritik von allen Seiten

Hallen-Mogelpackung vor dem Aus

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Die Fans kommen in Scharen (hier jubeln Mainzer Anhänger am Samstag in der Westfalenhalle ), und die Fernsehzuschauer schalten ein - doch Mannschafts-Funktionäre und DFB wollen den Hallen-Pokal begraben

Dortmund - Dem Hallen-Fußball hat wohl die letzte Stunde geschlagen. Bei der 14. Endrunde des DFB-Hallen-Pokals am Wochenende in Dortmund herrschte bei den meisten Vereinsvertretern Beerdigungsstimmung. Das einst als Budenzauber gefeierte Spektakel wurde von vielen Managern, Profis und Trainern nur noch als lästige Pflichtübung und von vielen Fans trotz guter Stimmung unter den fast 20.000 Besuchern an zwei Tagen als Mogelpackung empfunden.

Vehementer denn je setzen sich die Kritiker für eine Abschaffung ein. Selbst der geschäftsführende DFB-Präsident Gerhard Mayer- Vorfelder, eigentlich ein Verfechter des Hallen-Cups, geriet ins Grübeln: "Wir müssen uns jetzt offen darüber unterhalten. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass man die Veranstaltung auf Grund der Zeitnot im nächsten Jahr aussetzt."

Geld lockt, doch Profi-Zeit ist immer knapper

Vor allem seit die Weihnachtsferien der Profis von elf auf sechs Wochen verkürzt wurden, wachsen die Zweifel an der Legitimation des Indoor-Kicks. Verlockt durch die gute Verdienstmöglichkeit von bis zu 295.000 Mark, die der Endspiel-Sieger einstrich, stimmten alle 36 Clubs aus 1. und 2. Bundesliga einer diesjährigen Teilnahme zwar zu, interpretierten ihre Start-Verpflichtung aber auf unterschiedliche Weise. Während die meisten Zweitligisten ihre Chance auf den für ihre Verhältnisse lukrativen Nebenverdienst witterten und ihre besten Profis einsetzten, bestimmten bei den Top-Clubs zumeist unbekannte Gesichter das Geschehen. "Ich bin schockiert", klagte Harald Strutz, Vizepräsident des neu gegründeten Liga-Verbandes und Chef von Mainz 05, "die Bayern sind hier mit einer A-Jugend-Truppe aufgelaufen."

MV: "Veralberung der Fans"

Die Strafe für eine solche Geringschätzung ließ nicht lange auf sich warten. Die Bayern schieden nach zwei Niederlagen gegen Bochum und Unterhaching bereits am ersten Tag aus. Mit Gastgeber Borussia Dortmund, für den nach einer 2:4-Viertelfinalschlappe gegen Bremen das Aus kam, verlor das Turnier zum Verdruss der BVB-Fans früh auch sein zweites Zugpferd. Verärgert über die Personalpolitik vieler Top- Teams sprach Mayer-Vorfelder gar von einer "Veralberung der Fans".

Besserung ist nicht in Sicht

Eine Besserung ist nicht in Sicht. Wegen der WM in Japan/Südkorea im Jahr 2002 wird die Pause im kommenden Winter um eine weitere Woche kürzer ausfallen. Laut Michael Henke, der den mit seinen besten Profis im südspanischen Trainingslager weilenden Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld in Dortmund vertrat, empfanden die Münchner die Teilnahme schon in diesem Jahr als Höchststrafe. "Wenn wir nicht als deutscher Meister hätten teilnehmen müssen, hätten wir nicht teilnehmen können", klagte der Co-Trainer mit Verweis auf den internationalen Terminkalender, der den Profis kaum noch Zeit zur Regeneration lässt.

Hitzfeld: "nicht mehr zeitgemäß"

Der DFB hatte bereits mit einer Verkürzung der Hallenrunde auf nur drei Qualifikationsturniere in Stuttgart, Riesa, Hannover sowie dem Finale in Dortmund auf diese Klagen reagiert. Gleichwohl steckt der Veranstalter in einem Dilemma: Solange die Anhänger wie in diesem Jahr 95 Prozent der Karten kaufen und den TV-Sendern zufrieden stellende Einschaltquoten bescheren, verbietet der kaufmännische Sachverstand eine Abschaffung des Hallen-Fußballs. Dass Hitzfeld selbigen unlängst als "nicht mehr zeitgemäß" abqualifizierte, brachte DFB-Ligadirektor Wilfried Straub nicht zuletzt deshalb auf die Palme: "Solche Aussagen sind unnötig. Auch Herr Hitzfeld ist ein Teil des Ganzen. Es hat keinen Alleingang des DFB gegeben, schließlich haben alle Proficlubs zugestimmt."

Allofs: "Fortsetzung auf freiwilliger Basis"

Doch der seit Jahren als Hallenfußball-Befürworter bekannte Straub wird die Entwicklung kaum aufhalten können. Spekulationen über angeblich bereits bestehende vertragliche Verpflichtungen für die kommende Indoor-Saison hatte Ligaverband-Präsident Werner Hackmann bereits am Donnerstag beim Turnier in Hannover vielsagend dementiert: "Wir sind an keine Sponsoren- oder Fernseh-Verträge gebunden. So sind wir frei in unseren Entscheidungen." Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs regte eine "Fortsetzung auf freiwilliger Basis" an.

Heinz Büse und Ulli Brünger, dpa

Geändert am 14. Januar 2001 19:29 von to
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