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Ski-WM von St. Anton: 400 Pistenarbeiter schuftenAbfahrt als Materialschlacht
St. Anton - Neues Spiel, neues Glück. Der Wetterumschwung in den Alpen erst mit starkem Schneefall und dann mit einem schnellen Anstieg der Temperaturen hat die Karten für die Männer-Abfahrt bei der alpinen Ski-Weltmeisterschaft von St. Anton am Mittwoch (10.30 Uhr) völlig neu gemischt. Aus der aggressiven Hochgeschwindigkeitsstrecke "Karl Schranz" - ideale Bedingungen für den Superstar Hermann Maier, auf den heute ganz Österreich schaut - wurde eine Weichschnee- Piste, in der vor allem die engen Kurven weitgehend entschärft sind. Die Gastgeber befürchten eine Materialschlacht. "Es hat sich Entscheidendes geändert. Wir werden eine völlig andere Abfahrt erleben", meinte Österreichs Cheftrainer Toni Giger nach dem Meter-hohen Schneefall. Für Trainer Beobachtung und Analyse angesagtGerade seine Fahrer haben gewaltige Vorteile eingebüßt, denn Hermann Maier, Fritz Strobl und Stephan Eberharter gelten technisch als überlegen. Gemeinsam mit Hannes Trinkl und Werner Franz trudelten die Drei nach ihrem Kurzurlaub am Montag wieder am WM-Ort ein, um die Vorbereitung auf das Rennen aufzunehmen. Der "Herminator" steht unter immensem Druck, auch wenn Österreich nach Michaela Dorfmeisters Triumph bei der Abfahrt endlich das ersehnte erste Gold beim alpinen Weltmeisterschafts-Heimspiel in der Tasche hat. Für die Trainer war jedenfalls ausgiebige Beobachtung und Analyse angesagt, um eventuell die Fahrlinie zu verändern. Giger und seine Kollegen aus den anderen Ländern verbrachten Stunden auf dem Hang. "Das war Knochenarbeit", meinte der Männer-Chef der Gastgeber. Tonnen von Schnee, Maschinen und Hunderte Helfer
Alle hoffen nun, dass die WM-Organisatoren mit ihrer Arbeit fertig werden. Während der untere, windgeschützte Teil der gut drei Kilometer langen Strecke zügig von den Tonnen von Schnee befreit wurde, sah es im oberen Teil unterhalb des Valluga-Gipfels bei weitem nicht so gut aus. Der Präsident des Österreichischen Verbandes (ÖSV), Peter Schröcksnadel, organisierte noch weitere Maschinen zur Präparierung. "Was wir hier machen, ist Sisyphus-Arbeit", meinte der Renndirektor des Internationalen Ski-Verbandes (FIS), Günther Hujara. Erst im letzten Moment sollte sich entscheiden, ob die Bemühungen der über 400 Helfer erfolgreich waren - und ob Maier dem Druck seiner Landsleuten standhält und die geforderte Medaille serviert. Beim Slalom geht`s ruhiger zu: Ertl ohne DruckGanz locker und ohne Druck kann dagegen Martina Ertl am Mittwochabend (17.30/20.30 Uhr) durch den Slalom-Wald wedeln: Die Lenggrieserin hat ihr Erfolgserlebnis mit dem Titelgewinn in der Kombination schon gehabt. Ihr Trainer Franz Gamper will aber von Zurückhaltung nichts wissen: "Wir sind hierher gefahren, um eine Medaille gewinnen." Auch wenn Martina Ertl noch immer tiefstapelt: Für sie ist die kroatische Slalom-Artistin Janica Kostelic eindeutig der Gradmesser. Ihr rutschte nämlich mehr ungewollt ein bezeichnender Vergleich heraus: Auf dem ähnlich steilen Hang von Park City habe sie gegen Seriensiegerin Kostelic fast überhaupt nichts verloren. "Ich habe meine Medaille schon"Zu einer klaren Aussage über die eigenen Erwartungen lässt Martina Ertl sich aber nicht bewegen. "Ich bin doch froh, überhaupt hier zu sein", meinte die frisch gebackene Weltmeisterin, die nach ihrer Verletzung Ende letzten Jahres erst kurz vor der WM auf die Pisten zurückgekehrt war. Martina Ertl kann nach dem völlig unerwarteten Gewinn ihres ersten großen Titels befreit an den Start gehen. "Ich habe nichts zu verlieren, denn ich habe meine Medaille schon. Die anderen können nur verlieren." Kritik: Sturer Zeitplan mit Blick auf TV-Quoten
In den lokalen Zeitungen nimmt die Kritik am Veranstalter zu, stur am Zeitplan festgehalten zu haben. Bis zum Vortag der beiden Abfahrten seien die Bedingungen bestens gewesen. Leicht hätte die Männer-Abfahrt einen Tag vorgezogen werden können, Trainingsfahrten waren genug absolviert, heißt es. Aber da am Wochenende die TV- Einschaltquoten vor allem im Gastgeberland neue Rekordhöhen versprachen, wurde an den Terminen nicht gerüttelt. Falls der Mittwoch abermals dem Wetter zum Opfer fällt, gibt es neue Denkmodelle für die Bewältigung der Terminschwierigkeiten. So ist der Sonntag wieder im Gespräch. Oder ein Samstag mit Männer- Abfahrt am Morgen und dem Slalom der Männer als Flutlicht-Rennen am Abend. Bei den vergangenen Weltmeisterschaften hatte die FIS meist Glück, wenn auch in Morioka 1993 der Super-G der Männer ganz gestrichen wurde. Günter Müller und Mathias Schneider, dpa
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| Geändert am 6. Februar 2001 13:36 von to | ||||||||||||||||