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Samstag, 20. Mär. 10

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Kettenreaktion in der Kälte

München/Aalen - Wenn nichts mehr geht, ist die Kette dran: Während die Technik bei Autos in nahezu allen Bereichen rasante Fortschritte macht, gibt es für das Vorankommen unter winterlichen Extrembedingungen noch immer nur ein Hilfsmittel: die Schneekette.

Schnee-Fahrt

Fronttriebler sollten hinten keine Sommerreifen haben. (Bild: ÖAMTC/dpa/gms)

Die hat allerdings mit mancher Neuerung in der Elektronik zu kämpfen: Fahrhilfen wie Anti-Schlupf-Regelungen behindern ihre Möglichkeiten. Deutlich wurden die Probleme bei einem Test, den der ADAC in München mit der Stiftung Warentest in Berlin und dem Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC) in Wien vorgenommen hat. Am Ende gab es neben der Bewertung einzelner Ketten auch diese Erkenntnis: Elektronische Stabilitäts-Programme (ESP) oder Anti-Schlupf-Regelungen sind zwar unter normalen Umständen ein Segen für die Sicherheit - beim Schneekettenbetrieb aber eher hinderlich.

„Das Grundproblem besteht darin , dass Schneeketten ein Mindestmaß an Schlupf an den Rädern benötigen”, erklärt Oliver-Charles Matthes, Bereichsleiter Gleitschutz beim Schneeketten-Hersteller Rud in Aalen (Baden-Württemberg). Die Anti-Schlupf-Kontrolle will aber ebenso wie ein ESP ein Durchdrehen der Räder verhindern. Abhilfe wäre möglich, wenn sich ein Anti-Schlupf-System während des Schneeketten-Betriebs ausschalten ließe. „Das ist bei einigen aktuellen Automobilen nicht mehr möglich”, sagt ADAC-Techniker Ruprecht Müller.

Die Kettenhersteller begegnen daher den Schwierigkeiten auf ihre Weise: „Wir entwickeln derzeit Schneeketten, die das Problem lösen”, sagt Matthes. Er ist zuversichtlich, dass bereits zur kommenden Saison ein entsprechendes Modell marktreif ist.

Wenig können Autohersteller oder Kettenanbieter machen, wenn der Autofahrer selbst zweifelhafte Kombinationen wählt. So hat der Test gezeigt, dass auch ein ABS wenig hilft, wenn bei einem Auto mit Frontantrieb Schneeketten auf den angetriebenen Rädern für Sicherheit sorgen, auf der anderen Achse aber noch Sommerreifen montiert sind. Nach Angaben des ÖAMTC verschlechtert sich das Fahrverhalten deutlich: Bei starkem Bremsen bricht das Heck trotz ABS aus.

Das größte Problem ist, dass oft zu spät an die Notwendigkeit der Fahrhilfen gedacht wird. „Schneeketten sind ein Planungsproblem”, bestätigt Rainer Hessel von der Deutschen Verkehrswacht (DVW) in Meckenheim bei Bonn. „Es kommt oft vor, dass Autofahrer zu spät daran denken, dass sie die Ketten brauchen.”

Bei der Wahl der richtigen Schneekette kommt es zunächst auf das Fahrzeug an. „Es ist wichtig, sich die Reifen- und Felgengröße zu notieren, um im Fachhandel eine Kette aussuchen zu können, die exakt passt”, rät Hessel. ADAC-Techniker Müller weist darauf hin, dass in vielen Fällen nur die vom Autohersteller angebotenen Ketten passen.

„Das Aufziehen der Schneeketten wird am besten zu Hause in Ruhe mehrmals geübt”, sagt Reiner Linnig, Bereichsleiter Reifenketten beim Hersteller Pewag in Unna. Werden die Schneeketten im tiefen Schnee zum ersten Mal in die Hand genommen, ist nicht nur mit der Kette an sich, sondern auch mit der Kälte zu kämpfen.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/a/service/auto/t/rzo109887.html
Dienstag, 07. Dezember 2004, 11:19 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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