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Dienstag, 22. Februar 05

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Doris Dörries „Rigoletto” in München ausgebuht

München - Idee ungewöhnlich, Experiment gescheitert: Unter dieser Kurzformel könnte man Doris Dörries erste und von großem Medieninteresse begleitete Münchner Opern-Inszenierung zusammenfassen.

"Rigoletto" auf dem "Planet der Affen".

Giuseppe Verdis 1851 in Venedig uraufgeführten Opernklassiker „Rigoletto” auf dem „Planeten der Affen” anzusiedeln, diese Vorstellung fand bei der Premiere am Montagabend im Münchner Nationaltheater wenig Freunde.

Schon zur Pause gab es neben spärlichem Beifall die ersten Missfallensbekundungen, die sich am Ende zu stürmischen Buh-Rufen steigerten. Spontan nahm Dirigent Zubin Mehta die erfolgreiche Filmregisseurin bei der Verbeugung beschützend in den Arm. Doris Dörrie, die in Berlin bereits Mozarts „Cosi fan tutte” und Giacomo Puccinis „Turandot” inszenierte, wollte nach eigenem Bekunden mit ihrer filmischen Anleihe nicht nur das Medium Oper aufbrechen, sondern im konkreten Fall damit die entmenschlichte Gesellschaft darstellen.

Das Ausgegrenztsein von Rigoletto als Narr am Hof des Herzogs von Mantua und die panische Angst vor dem Verlust seiner Tochter Gilda sollte auch optisch sichtbar werden. So steckt Rigoletto mit seinem Raumanzug („Krieg der Sterne”) nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich in einem Panzer. Das Flehen von Gilda mit ihren fast fußlangen blonden Haaren nach Freiheit und Liebe beantwortet Rigoletto mit Ketten, die er seiner Tochter anlegt.

Um die beiden herum wuselt der als Affen verkleidete Chor, auch der liebestolle Herzog von Mantua ist ein Affe. Dies hält Gilda natürlich nicht davon ab, ihn zu lieben, als er sich als Student verkleidet in ihr Herz schleicht. Da ist „King Kong” nicht weit, und Dörrie will das auch so. Für ihre Idee schuf Bernd Lepel, mit dem Dörrie bereits bei Puccinis „Turandot” zusammenarbeitete, ein ansprechendes Bühnenbild mit einem Sternenpanorama.

Eine breite Treppe dient als Spielfläche, dazwischen und im Hintergrund ein angedeuteter Palast mit klassizistischem Säulenportal. Das letzte Bild, das stark an einen früheren DDR- Wachturm erinnert, zeigt eine heruntergekommene Kaschemme, in der sich der Herzog mit einer Domina vor den Augen Gildas vergnügt. Bevor Rigoletto die Schande rächen kann, opfert sich Gilda für den Treulosen. Für Dörrie sind dies alles, wie sie im Vorfeld betonte, extreme Bilder und große Gefühle, aber auch reiner Sex.

Die Darsteller passten sich diesen Vorstellungen erstaunlich gut an. Die sichere Personenführung von Dörrie, die fantasievollen Kostüme und die grandiose sängerische Leistung von Diana Damrau als Gilda und Tito Beltrán als Herzog von Mantua sorgten für Spannung und musikalischen Hochgenuss. Auch ein unter der zupackenden Leitung von Zubin Mehta souverän aufspielendes Bayerisches Staatsorchester und ein hervorragend einstudierter Chor konnten das Publikum nur zum Teil besänftigen. So blieb es nach drei Stunden bei einem Patt: dem gefeierten Ensemble stand die Ablehnung der Inszenierung gegenüber.

Für die 49 Jahre alte Filmemacherin („Männer”) geht es um einen neuen Blick auf die Oper, damit auch junge Menschen ins Theater gehen. „Ich will die Wucht der Musik in kraftvolle emotionale Bilder umsetzen”, sagte sie im Vorfeld der Premiere. „Dafür ist die Oper ein wunderbarer Platz.” Als nächste Oper wird sie am Münchner Gärtnerplatztheater im Mai Puccinis „Madame Butterfly” inszenieren.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/05/02/22/magazin/t/rzo129740.html
Dienstag, 22. Februar 2005, 16:15 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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