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Archiviert am
Dienstag, 22. Februar 05 |
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Bewegende Deutschlandpremiere von „Sophie Scholl” München/Ulm - Ganz ruhig liegt Sophie Scholl auf der Guillotine. Das Fallbeil stürzt hinab und die Leinwand wird schwarz.
Bedrücktes Schweigen herrscht im Kinosaal - bevor Applaus losbricht. Tief bewegt zeigen sich die rund 2500 Schüler bei der offiziellen Deutschlandpremiere am Dienstag in München von „Sophie Scholl - Die letzten Tage”. Ähnliche Reaktionen und Beklommenheit herrschen auch bei einer Aufführung in einer Neu-Ulmer Realschule mit der 84-jährigen Schwester von Sophie Scholl, Elisabeth Hartnagel-Scholl, als Gast. In München gibt es Bravo-Rufe für Nachwuchsschauspielerin Julia Jentsch. Für ihre Rolle als NS-Widerstandskämpferin hatte die 27-Jährige am Samstag auf der Berlinale den Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin erhalten. In dem Film zeichnet der ebenfalls mit einem Silbernen Bären bedachte Regisseur Marc Rothemund die letzten sechs Tage der „Weiße Rose”-Kämpferin Sophie Scholl und ihres Bruders Hans (Fabian Hinrichs) nach. Das Datum der Premiere ist symbolträchtig gewählt: Es ist der 62. Jahrestag der von der Nazi-Justiz angeordneten Hinrichtung von Sophie (21), Hans (24) und ihrem Freund Christoph Probst (23) am 22. Februar 1943. Nach der Vorstellung stehen die Schüler in kleinen Grüppchen im Kinofoyer. Manche diskutieren eifrig, andere schweigen mit verweinten Augen. „Das hat mich echt mitgenommen”, sagt die 15-jährige Rebekka Schacht aus Moosburg. Die Realschülerin hat die „Weiße Rose” kurz vorher im Geschichtsunterricht durchgenommen, „aber jetzt kann ich mich viel besser reinversetzen”. „Ich weiß nicht, ob ich so mutig gewesen wäre wie Sophie”, fügt ihre Freundin Isabella Hödl zu. „Immerhin hat sie damit ihr Leben aufs Spiel gesetzt.” „Irgendwie kriegt man das gar nicht in den Kopf, was damals in Deutschland abgegangen ist”, sagt der 14-jährige Nick Schumacher. Gerade aus diesem Grund sei „Sophie Scholl” ein „brennend aktueller Film”, sagt Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). Die Menschen hätten auch heute noch die Pflicht, für Toleranz und Demokratie einzutreten. „Sophie Scholl ist eine Anklage gegen alle, die weggeguckt haben”, sagt Ude. Gerade 60 Jahre nach Kriegsende sei ein solcher Film wichtig. Der Gründer der „Weiße Rose-Stiftung”, Franz Müller nennt den Film „sehr eindrucksvoll und differenzierter als bisherige Verfilmungen”. Müller war als Jugendlicher ebenfalls Mitglied der „Weißen Rose” und wurde 1943 vom so genannten Volksgerichtshof als damals „unreifer Bursche” zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. „Ich habe die Gestapo- Verhöre ja selbst mitgemacht. Der Film ist sehr realistisch”, sagt Müller. Elisabeth Hartnagel-Scholl hat der Film insgesamt gefallen. „Aber Sophie wäre wahrscheinlich unglücklich darüber, so in den Vordergrund gestellt zu werden”, glaubt die 84-Jährige mit dem kurz geschnittenen, grauen Haar. Ob sie verzeihen könne, was geschehen sei, möchte eine Schülerin in Neu-Ulm wissen. „Verzeihen ist nicht möglich”, sagt Sophies Schwester leise. Sie müsse immer an den schrecklichen Tod ihrer Geschwister denken - „aber es leuchtet auch unsere unbeschwerte Kindheit und Jugend bei unseren toleranten Eltern”. Robert und Magdalena Scholl lebten mit ihren fünf Kindern einige Jahre in Ulm. Das Haus, das sie zwischen 1933 und 1939 bewohnten, bekommt an diesem Dienstag eine Gedenktafel. Sie sei Zeit ihres Lebens für den Frieden eingetreten und wünsche sich auch heute eine „politische Jugendbewegung”, sagt Elisabeth Hartnagel- Scholl. „Für den Frieden kann man immer einstehen.” Die Schüler in München spenden bei der Premiere für die „Weiße Rose”- Stiftung insgesamt 10 000 Euro. Der X-Verleih (Berlin) hat zahlreiche Lehrer in ganz Deutschland angeschrieben und sie auf die Möglichkeit von Schüleraufführungen in den örtlichen Kinos hingewiesen. Dieses Angebot stoße auf großes Interesse, sagte eine Sprecherin der Verleihfirma. „Ich bin sehr dankbar, dass der Film so große Anerkennung gefunden hat”, sagt Regisseur Rothemund. Am Donnerstag kommt der Streifen bundesweit in die Kinos. dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/05/02/22/magazin/t/rzo129943.html |
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